1914 – Julikrise und Kriegsbeginn

Der Mord an Erzherzog Franz Ferdinand von Habsburg, dem Nachfolger auf den Kaiserthron Österreich-Ungarns , durch den 19-jährigen bosnisch-serbischen Nationalisten Gavrilo Princip am 28. Juni in Sarajevo bot den Anlass für die vielleicht komplexeste politische Krise aller Zeiten, die Julikrise des Jahres 1914.

Hintergrund der Tat waren imperialistische Ziele des Zarenreichs Russlands und der k.(öniglich) u.(nd) k.(aiserlichen) Monarchie Österreich-Ungarns auf dem Balkan, der serbische Nationalismus und die Interessen der Verbündeten der beteiligten Mächte. Unter diesen vor allem das Deutsche Kaiserreich, Frankreich und Großbritannien. Die Lage auf dem Balkan war eine Folge der „osmanischen Frage“. Das Osmanische Reich, deren heutiger Folgestaat die türkische Republik ist, wurde im Europa dieser Zeit auch als „kranker Mann vom Bosporus“ bezeichnet, da es in Folge von Aufständen, Revolten und Kriegen über Jahrzehnte hinweg viele Territorien verloren hatte. Diese freigewordenen Territorien boten nun Gelegenheiten für die unterschiedlichsten Großmachtambitionen der europäischen Staaten. All dies wurde noch zusätzlich angeschoben durch die Triebkraft eines sich immer stärker radikalisierenden Nationalismus.

Die Reaktion der k.u.k. Regierung auf den Mord am Erzherzog und seiner Frau war die Vorbereitung eines Ultimatums für die serbische Regierung, die als letztendlicher Urheber des Attentats  ausgemacht worden war. Ziel war hierbei, Serbien durch dessen Annahme zu einer engen Kooperation zu zwingen oder aber eine Rechtfertigung für einen regionalen Krieg zu haben. Dass dieser Fall nicht eintreten konnte, lag an dem damaligen komplexen Bündnissystem in Europa. Deutschland stand im Kriegsfall im Rahmen des Zweibundes auf Seiten Österreich-Ungarns. Die „Entente cordiale“, ein Bündnis zwischen Frankreich und Großbritannien, entwickelte sich 1907 zur „Triple Entente“ durch den Beitritt Russlands. Ein Zweifrontenkrieg war demnach eine realistische Bedrohung für das Deutsche Kaiserreich. Um dieser Bedrohung zu begegnen, entwickelte man den Schlieffen-Plan, der darauf abzielte unter Verletzung der Neutralität Belgiens, die wiederum Großbritannien garantierte, einen möglichen Krieg durch rasche Niederwerfung Frankreichs trotzdem zu gewinnen. Der Plan erforderte eine rasche Mobilisierung, die auch ihren Teil zur Eskalation der Lage beitrug.

Die deutsche Regierung unter Reichskanzler Bethmann-Hollweg drängte Österreich-Ungarn zu einer raschen, regionalen Lösung des Konfliktes, auch um Russland die Möglichkeit zum Eingreifen auf Seiten seines Bündnispartners Serbien zu nehmen. Die sogenannte „Hoyos-Mission“, die Sendung eines Österreichischen Legationsrates nach Berlin, sorgte aber für eine Bestätigung des eingeschlagenen Kurses. Die Bündnisverpflichtungen wurden bestätigt und somit ein „Blankoschek“ ausgestellt. Indes hatten in Russland die Berater des Zaren die Überhand gewonnen, die für ein hartes Durchgreifen plädierten. Auch der Besuch des französischen Staatspräsidenten Poincare vom 20. bis zum 23.Juli in Sankt Petersburg der das Bündnis festigte, ähnlich wie der „Blankoschek“, trug zu einer Eskalationsbereitschaft bei.

Da man in Deutschland mit einer Unbesiegbarkeit der russischen Armee in der Zukunft rechnete, war man letztendlich doch bereit, einen Krieg zu wagen. Erst nach der Bekanntgabe des österreichisch-ungarischen Ultimatums am 23.Juli rückte dieser in greifbare Nähe. Das Ultimatum wurde nicht vollständig erfüllt. Die Folge war die Kriegserklärung Österreich-Ungarns an Serbien vom 28.Juli. Alle Versuche den Krieg zu lokalisieren scheiterten mit der Generalmobilmachung Russlands am 30.Juli. Um den Schlieffen Plan zu erfüllen erfolgte der Kriegseintritt Deutschlands am 1.August mit anschließender Generalmobilmachung am 2.August. Die Hoffnung auf eine Neutralität Großbritanniens wurde mit der Durchquerung Belgiens am 4.August zunichte gemacht. Die meisten Nationen Europas befanden sich von nun an im Krieg. Der Erste Weltkrieg hatte begonnen.