1914 - Schwedt

Am 1. Dezember 1910 lebten 9.482 Menschen in Schwedt an der Oder im Kreis Angermünde im preußischen Regierungsbezirk  Potsdam in der Provinz Brandenburg.

Um die Mitte des 19. Jahrhunderts entstanden in Schwedt die ersten Zigarrenfabriken. Vor dem Ersten Weltkrieg erreichte die Tabakindustrie mit je zehn Zigarren- und Tabakfabriken ihren Höhepunkt. Ungefähr ein Drittel der Schwedter Bevölkerung war zu diesem Zeitpunkt in der Tabakindustrie tätig.

Schwedt war von jeher aufgrund der Lage an der Oder ein wichtiger Handelsplatz und Zentrum der Oderschifffahrt. 1906 begann man mit dem Bau der Oder-Havel-Wasserstraße. In Schwedt sollten beide Flüsse durch einen Kanal verbunden werden. Durch die Bedeutung der Schifffahrt für die Region wurde die Stadt erst relativ spät, im Jahre 1871, an das Eisenbahnnetz angeschlossen. Dies lag vor allem am Widerstand von Landeigentümern und Fuhrleuten, die Umsatzeinbußen durch den Schienenverkehr befürchteten.

Am 17. Juni eröffnete Kaiser Wilhelm II. den Oder-Havel-Kanal und den Hohenzollernkanal für den Verkehr. Der nun einsetzende wirtschaftliche Aufschwung führte zur Errichtung einer Kartoffeltrocknungsfabrik.

Schon vor 1914 war das Militär bedeutend für die Stadt Schwedt. Wie wichtig dieses war, zeigt sich in verschiedenen Schauprogrammen, die auf dem Exerzierplatz der Garnison stattfanden. So demonstrierten im Oktober 1912 Kunstflieger ihre Fähigkeiten und im November desselben Jahres bekamen die Schüler extra schulfrei, um den Überflug  eines Luftfahrtschiffes beobachten zu können.

Die Schwedter Garnison wurde schon am 2. August 1914 mobilisiert. Aufgrund der Kriegslage an der Ostfront richtete man bereits im September im Schloss der Hohenzollern ein Kriegs-Reserve-Lazarett ein. Die ersten Verwundeten trafen 14 Tage später in Schwedt ein.