1914 - "Villeneuve d'Ascq"

Vor 1914 zählten die drei Dörfer Ascq, Annapes und Flers (heute Villeneuve d’Ascq) zusammen etwa 11.000 Einwohner. Sie lagen im Kreis Lannoy, nähe Lille, der Hauptstadt Nordfrankreichs, an der Grenze zu Belgien. Eisenbahnlinien und eine Nationalstraße verbanden Lille, Tournai und Brüssel.

Nach der Niederlage im Deutsch-Französischen Krieg 1870/1871 und dem Verlust von Elsass-Lothringen erstarkte der Patriotismus in Frankreich. Parallel zu diesem Erstarken wurde eine Bildungsreform durchgeführt. Begründung dieser Reform war, dass man die Niederlage von 1870/71 auf ein zu geringes Bildungsniveau zurückführte. Die zuvor erwähnte Reform sah eine Schulpflicht in eigens errichteten staatlichen Grundschulen vor.

In den drei Kommunen waren jedoch bereits auf Betreiben der Bürgermeister hin Schulen unter kirchlicher Trägerschaft errichtet worden. Fortan verfügte jede Ortschaft über zwei Schulen – jeweils eine staatliche und eine kirchliche –, welche beide gebührenfrei zu besuchen waren.

In Flers-Breucq gründete der katholische Jungenbund an den Ufern der Marque eine Schwimmschule. In Ascq wurde eine Turnhalle nicht weit von der Schule gebaut.

Im Jahr 1914 setzte sich die Industrie in den drei Dörfern aus Färbereien, Textilfabriken, Mehlfabriken, Cichorie-Kaffefabriken und Rübenalkoholfabriken zusammen. In Flers unterhielt die Aktiengesellschaft Friedrich Bayer und Co. Seit 1883 ein Werk. Wenige Einwohner verdingten sich im nahen Lille, gab es doch dort bereits eine ausgeprägte Industrieansiedlung. Das wirtschaftliche Bild Annapes wurde durch Landwirtschaft ergänzt.

An das Bahnnetz waren die Ortschaften durch einen Bahnhof in Ascq angeschlossen. Flers hingegen unterhielt keinen eigenen Bahnhof, besaß aber zwei Straßenbahnlinien.